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Tunnelportale


Bilder der Strecke: 3723 (Stillgelegt / KBS 251c)

1 Tunnel (1.114 Meter)Rabenscheid 

Haiger - Breitscheid/Dillkreis ("Der Balkanexpress" / Aubachtalbahn)

Rabenscheider Tunnel  [LDK]  (HE)

Westportal des Rabenscheider Tunnels (Foto: VSO)

Länge:
1.114 Meter

Streckenteil:
Haiger - Breitscheid/Dillkreis

Lfd-Nr, Direktion:
260, Ffm-018

Seite/Quadrant:
62 D
64 C3

bei km:
8,7 - 9,8

Ostportal des Rabenscheider Tunnels (Foto: VSO)
Westportal, vom Bahnhof Haiger (Juli 2006)
(Foto: VSO)
  Ostportal, vom ehem. Bahnhof Breitscheid (Juli 2006)
(Foto: VSO)

Geschichte:

Die Bahnstrecke Haiger–Breitscheid, auch unter dem Namen "Balkanexpress" oder Aubachtalbahn bekannt, war 12,3 km lang und führte von Haiger nach Breitscheid im Westerwald. Der erste Teilabschnitt bis Rabenscheid wurde am 15. Dezember 1926 eröffnet, die restliche Strecke erst am 15. Mai 1939.

Bau: Im Dezember 1908 ordnete der Minister für öffentliche Arbeiten an, dass zwei Stichbahnen gebaut werden sollen: die eine von Haiger über Breitscheid nach Gusternhain und die andere von Stockhausen (bei Weilburg/Lahn) nach Beilstein (Ulmbachtalbahn). Vom ursprünglichen Plan einer durchgehenden, bei Driedorf die Westerwaldquerbahn (Strecke 3747) kreuzenden Strecke war bereits Abstand genommen worden. Trotzdem wurde ausdrücklich bestimmt, dass die beiden Endbahnhöfe in Gusternhain und Beilstein so anzulegen seien, dass eine spätere Verbindung jederzeit technisch möglich sei.

Schon einen Monat später wurde die Aufnahme der Vorarbeiten angeordnet und 1912 die erforderlichen Mittel bewilligt. Im April 1914 wurde die Bauabteilung Haiger eingerichtet und noch im Mai mit den Arbeiten begonnen. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs kamen die Arbeiten jedoch nahezu zum Erliegen. Bis dahin waren einige Bauwerke bereits fast fertig, neben einigen Brücken unter anderem das Empfangsgebäude für den Bahnhof Breitscheid.

Fortschritte beim Streckenbau gab es erst wieder nach dem Ende des Krieges 1918 zu verzeichnen. Unter anderem durch die Inflationszeit bedingt war bis zum Frühjahr 1926 jedoch nicht einmal ein Drittel der ursprünglich ins Auge gefassten Strecke fertig gestellt worden. Auf Nachhaken der Anlieger sagte die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft zu, die Strecke bis zum Jahresende wenigstens behelfsmäßig bis zum Bahnhof Rabenscheid zu vollenden.

Am 14. Dezember 1926 konnte die Strecke endlich eröffnet werden, wenn auch nur bis zur Station Rabenscheid. Die Weiterführung der Strecke scheiterte zunächst mangels Geldes. Außerdem wurde sie als nicht mehr rentabel erachtet. Erst nach Hitlers Machtübernahme genehmigte die Reichsbahnhauptverwaltung 1934 den Bahnbau Rabenscheid-Breitscheid. Man dachte jetzt unter neuen Gesichtspunkten über die Rentabilität der zu bauenden Bahnstrecke nach. Im Mittelpunkt standen dabei die Vereinigten Stahlwerke mit ihrem Betrieb bei Medenbach. Hier wurden vor allem Kalksteine gebrochen, die seither per Seilbahn „über die Berge“ an Donsbach vorbei bis zum Haigerer Bahnhof befördert wurden. Auch sah man in den vielen Bodenschätzen rund um Breitscheid einen weiteren Grund für den Weiterbau der Strecke. Nachdem dann endlich auch die Finanzierung geregelt war, wurde in der Medenbacher Gemarkung Anfang März 1936 der erste Spatenstich für die 4,4 Kilometer lange Streckenverlängerung getätigt. Zwischen dem Bahnhof Rabenscheid und der Station Medenbach galt es freilich noch einen Berg zu untertunneln. Der Rabenscheider Tunnel sollte mehr als 1100 Meter lang werden. Bei dem Tunnelbau, der ebenfalls im März 1936 begonnen wurde, waren bis zu 420 Arbeiter im Drei-Schichtbetrieb rund um die Uhr beschäftigt. Es existierten Planungen für eine spätere Elektrifizierung der Strecke, daher wurde der Rabenscheider Tunnel in einer für eine Nebenbahn ungewöhnlichen ovalen Form durch den Berg gebohrt.

Gut drei Jahre später, im Frühling 1939, lagen die Arbeiten für die Streckenverlängerung bis Breitscheid in den letzten Zügen. Das Reststück bis Gusternhain, das lange im Gespräch war, wurde aber nicht gebaut, ebenso wie die Knotenverbindung bei Driedorf, die die Strecke mit der Westerwaldquerbahn (Strecke 3747) und der Ulmbachtalbahn verbinden sollte.

Am 15. Mai 1939 war es dann endlich soweit: Der erste Zug lief im einem provisorisch angelegten Behelfsbahnhof am Ortsrand von Breitscheid ein. Das eigentliche Breitscheider Bahnhofsgebäude im Schwarzen Weg, das schon vor einem Vierteljahrhundert fertig gestellt worden war, lag jedoch noch etwa 1,5 km weiter. Diesen "richtigen" Breitscheider Bahnhof wollte man zu einem späteren Zeitpunkt fertig stellen - dazu sollte es jedoch nie kommen: Keine vier Monate später brach der Zweite Weltkrieg aus und begrub jegliche Hoffnung auf die endgültige Fertigstellung.

Genau fünf Jahre nach der Eröffnung, am 15. Mai 1944, wurde dann der Zugverkehr zwischen Rabenscheid und Breitscheid wieder eingestellt, und zwar bis auf weiteres und ohne offizielle Begründung. Die sogenannte "Holzwerke Rabe" hatten sich im (bombensicheren) Tunnel niedergelassen. Dass es sich bei dieser Firma nicht um einen Gartenmöbelhersteller handelte, ahnten die Menschen in den umliegenden Gemeinden damals schon. In Wirklichkeit wurden hier Flugzeugmotoren für Hitlers Kriegsmaschinerie gefertigt. Gerüchte sprechen sogar davon, dass hier Teile der V1- und V2-Raketen hergestellt worden sein sollen.

Nachdem dann Anfang 1945 infolge des Krieges der Verkehr auch auf der restlichen Strecke bis Rabenscheid zum Erliegen gekommen war, war dieser Teil der Strecke bis zum Frühjahr 1946 wieder instand gesetzt worden, so dass wieder Züge rollen konnten. Den Tunnel wieder für den Streckenbetrieb herzurichten, dauerte dagegen wesentlich länger: Erst im Februar 1949 wurde der Verkehr auch auf der restlichen Strecke bis Breitscheid wieder aufgenommen.

Niedergang: Das Schicksal, das die Strecke in den Jahrzehnten nach dem Krieg erlebte, ist vergleichbar mit dem ungezählter Nebenstrecken im Netz der DB. Durch die zunehmende Konkurrenz auf der Straße verlor die Strecke immer mehr an Bedeutung, sodass ab 1969 die Anzahl der verkehrenden Züge immer weiter ausgedünnt wurde. Ab Sommer 1979 verkehrten werktags nur noch drei Personenzugpaare zwischen Haiger und Breitscheid.

Im Jahr 1977 hatte man noch für eine Million Mark die große Talbrücke bei Flammersbach von Grund auf saniert; aber schon im zum 31. Mai 1980 wurde der Personenzugverkehr auf der "Balkan-Strecke" eingestellt. Der Güterverkehr blieb der Strecke dann noch über 17 Jahre erhalten, dies nicht zuletzt wegen der Firma Hailo in Flammersbach, die bis zum Schluss täglich durchschnittlich 38 Waggons abfertigte. Auch diverse Firmen in Breitscheid, am Medenbacher und Rabenscheider Bahnhof hatten hin und wieder Wagenladungen, so dass in der Regel täglich zwei Güterzüge auf der Strecke verkehrten.

Obwohl seitens der Anliegerfirmen weiter Bedarf für die Schiene da gewesen wäre, wurde der Gesamtverkehr dann zum 30. September 1997 von der DB eingestellt. Bis zu diesem Tage gab es zahlreiche Sonderfahrten auf der Strecke, teilweise sogar mit Dampfloks.

2004 wurde für Fernsehaufnahmen am Rabenscheider Tunnel das Teilstück zwischen Langenaubach und dem Tunnelportal wieder frei geschnitten. Der Fernsehsender Pro7 drehte dort eine Reportage über "Schatzsucher", die Teile der so genannten V2-Rakete, welche angeblich während des Zweiten Weltkrieges im Tunnel produziert worden war, suchten.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Breitscheid wurden im Jahre 2006 die Gleise abgebaut, auf Haigerer Gebiet (bis zum Rabenscheider Tunnel) sind sie bis heute erhalten.
Quellen: Wikipedia, Bahnstrecke Haiger - Breitscheid
Der Balkanexpress von Marco Dienst
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Landkarte:

Haiger - Breitscheid/Dillkreis ("Der Balkanexpress" / Aubachtalbahn)

Ausschnitt aus Kursbuchkarte von 1958

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