Springt zur Strecke 6699: Schmalkalden - Kleinschmalkalden/Thüringen (Name von 1946 bis 1991: Pappenheim) [Streckenübersicht]  [Impressum] [Sitemap] [Bilder] [Geschichte] [Landkarte] [Fenster schließen] Springt zur Strecke 6707: [Eisenach (6340) -] Gerstungen/Werra - Heimboldhausen (- Philippsthal - Vacha/Thüringen) (Werratalbahn)

Tunnelportale


Bilder der Strecke: 6702 (KBS 606 / KBS 616)

1 Tunnel (279 Meter)Friedrichroda 

[Gotha (6340) -] (Fröttstädt -) Waltershausen - Friedrichroda (- Georgenthal/Thüringen) [- Gräfenroda (6298)]
(Waldsaumbahn / Friedrichrodaer Bahn)

Friedrichrodaer Tunnel  [GTH]  (TH)
Wird auch Reinhardsberg-Tunnel genannt

Nordwestportal des Friedrichrodaer Tunnels (Foto: VSO)

Länge:
279 Meter

Streckenteil:
Waltershausen -
Friedrichroda

Lfd-Nr, Direktion:
1011, Erf-008

Seite/Quadrant:
65 B
67 D2

bei km:
9,0

Südostportal des Friedrichrodaer Tunnels (Foto: VSO)
Nordwestportal, vom Haltepunkt Reinhardsbrunn-
Friedrichroda (Mai 2004) (Foto: VSO)
Im Eisenbahnatlas ohne Name
sowie falsche Länge (280 m)
Südostportal, vom Bahnhof Friedrichroda (Mai 2004)
(Foto: VSO)

Geschichte:

Strecke Fröttstedt - Friedrichroda (-Georgenthal) (Waldsaumbahn / Friedrichrodaer Bahn) von Karlheinz Dörner
(Ein Klick ins umrahmte Bild öffnet ein größeres Bild)
 
Schild "Friedrichrodaer Bahn" im Gebälk der Bahnsteigüberdachung am Haltepunkt Reinhardsbrunn-Friedrichroda  
Nur wenige Wochen später als die im Mai 1876 durch eine private Gesellschaft (Thüringische Eisenbahn) eröffnete Bahnverbindung von Gotha über Georgenthal nach Ohrdruf ging im Juli 1876 die 10 km lange Strecke von Fröttstedt über Waltershausen nach Friedrichroda in Betrieb. Auch sie entstand auf private Initiative (Friedrichrodaer Eisenbahn) auf Staatskosten der herzoglichen Regierung des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha unter Benutzung der ebenfalls staatlicherseits schon 1848 erbauten Pferdebahn von Fröttstädt nach Waltershausen.

»Im Interesse ihrer in dem nördlichen Haupttheil des Herzogthums gelegenen, überaus gewerbethätigen Stadt Waltershausen, deren Spielwaaren aus Papiermache´ einen namhaften Handelsartikel bilden und sich weit verbreiteten Rufes erfreuen, welche ferner der Hauptproductionsplatz der unter dem Namen "Gothaische Fleischwaaren" im Handel erscheinenden Artikel ist, und die auch Marmorwaaren, Tabakspfeifen, Löschgeräthe liefert, liess die herzoglich sachsen-coburg-gothaische Regierung bald nach Eröffnung der Thüringischen Eisenbahn von Halle nach Eisenach (Strecke 6340) eine Pferdebahn von Waltershausen nördlich nach Fröttstädt (Station der eben genannten Bahn) auf Staatskosten ausführen, welche 3,77 km lang war und 1848 eröffnet wurde. Als solche bestand sie bis 1875. In diesem Jahre beschloss die Regierung, nachdem inzwischen für Bahnen mit geringerem Verkehr die Möglichkeit und Zulässigkeit eines leichteren und daher billigeren Baues auch für Locomotivbetrieb technisch seitens des Vereins der deutschen Eisenbahnverwaltungen festgestellt war, die Waltershausener Pferdebahn in eine Locomotivbahn nach den neuen Normen umbauen und dieselbe südlich bis zu der als Badeort und Sommeraufenthalt wohl allgemein bekannten Stadt Friedrichroda, welche gleichzeitig der Mittelpunkt eines kleinen Bergbaureviers ist, weiterzuführen. Die Ausführung wurde mit Bauconcession vom 21. August 1875 dem Eisenbahnunternehmer Bachstein in Berlin für 450 000 Mk. übertragen, wobei jedoch die herzogliche Regierung den Grunderwerb selbst besorgte. ... Die Bahn wurde, in ihrer ganzen Ausdehnung 8,92 km lang, am 2. Juli 1876 für den Locomotivbetrieb eröffnet und von Anfang an an Bachstein zu pachtweisen Betriebe übertragen.«

  Jahreszahl am Nordwestportal des Friedrichrodaer Tunnels (Foto: Karlheinz Dörner)
Vor den Toren der Haupt- und Residenzstadt Gotha, dem damals bedeutendsten Handelsplatz nicht allein des Herzogtums, sondern von ganz Thüringen gelegen, war Friedrichroda ein beliebter Luftkurort. »Ist schon aus dem Vorstehenden ersichtlich, wie die herzogliche Regierung kein Opfer scheute, ihrem Lande ein ausgedehntes Eisenbahnnetz zu geben, so erhält dies einen weiteren Beweis aus dem im Jahre 1887 mit der preussischen Regierung abgeschlossenen Staatsvertrage, inhaltlich dessen sie ihre beiden eigenen Staatsbahnen von Gotha nach Ohrdruf und von Fröttstädt nach Friedrichroda ohne weitere Entschädigung lasten- und schuldenfrei per 1. April 1889 an Preussen zu vollem Eigenthum überliess gegen die Verpflichtung seitens des letzteren zum Bau und Betrieb der folgenden vier neuen Bahnlinien im Herzogthum Gotha:
Von Ohrdruf nach Gräfenroda, von Georgenthal nach Tambach(-Dietharz), von Ballstädt nach Herbsleben und von Bufleben nach Grossenbehringen mit zusammen 58,4 km, und eventuell noch einer Linie von Schnepfenthal nach Georgenthal. Eine weitere Ausdehnung erfährt das Bahnnetz des Herzogthums noch durch die 1887 seitens Preussens zur Ausführung beschlossene Staatsbahnstrecke von Zella-Mehlis nach Kleinschmalkalden.«

Zunächst stieg man noch in Fröttstedt um, aber als die Strecken in das Eigentum der Preußischen Staatsbahnen übergingen, gab es ab dieser Zeit durchgehende Züge ab Gotha. Im November 1892 wurde die Strecke von Ohrdruf nach Gräfenroda weitergeführt. Damit bestand eine direkte Verbindung zu den von Erfurt kommenden beiden Hauptstrecken. Schließlich wurde im November 1896 auch noch die Lücke zwischen Friedrichroda und Georgenthal geschlossen.

Auch hier brachte die Nachkriegsentwicklung tiefe Einschnitte. Über Nacht mußte im Frühjahr 1946 der Abschnitt von Friedrichroda nach Georgenthal als Reparationsleistung demontiert werden, ebenso das zweite Gleis zwischen Fröttstedt und Schnepfenthal.

Schild im Gebälk der Bahnsteigüberdachung am Haltepunkt Reinhardsbrunn-Friedrichroda  
Direkt hinter dem früheren , heute Haltepunkt, Reinhardsbrunn-Friedrichroda befindet sich der einzige Tunnel der Strecke:
Friedrichrodaer Tunnel, Länge 279 Meter. Über dem nordwestlichen Portal ist die Jahreszahl 1895 zu erkennen. Der Tunnel liegt in einer Geraden mit 10,7 Promille Steigung in der Ortsbebauung Friedrichroda und ist mit Laubwald bestanden. Der Bau des Tunnels, der inzwischen unter Denkmalschutz steht, bereitete den Bahnbauern vor allem am nordwestlichen Voreinschnitt erhebliche Schwierigkeiten. Hier drohte eine Stützmauer dem Druck des Berges bachzugeben, woduch der ursprünglich im August 1896 vorgesehene Termin zur Streckeneröffnung nicht eingehalten werden konnte.

Heute wird die Friedrichrodaer Bahn, die auch Waldsaumbahn genannt wird, als Kursbuchstrecke 606 von der Deutschen Bahn AG betrieben, als Fahrzeuge verkehren Dieseltriebwagen der Baureihe 641. Nach Berichten des Mitteldeutschen Rundfunks plant das Land Thüringen aufgrund zu geringer Fahrgastzahlen, in direkter Nähe verläuft die Thüringerwaldbahn nach Gotha, die Abbestellung des Schienenpersonennahverkehrs auf der Strecke, womit dann sogar der letzte Restverkehr eingestellt wäre. Güterverkehr findet schon seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr statt.
 
Aus der "Firmenchronik" über die Gothaer Waggonfabrik, 2. Band, Seite 16:
Nach der Bombardfierung im Februar 1944 war nochmals ein enormer Anstieg der Flugzeugproduktion zu verzeichnen. Hier zahlte sich die teilweise Verlagerung der Produktion in das Umland aus. Zudem hatte man den Eisenbahntunnel zwischen Friedrichroda und Reinhardsbrunn für den Zugverkehr gesperrt und dort den Rumpf- und Flächenbau der ME-110 untergebracht.
Quelle: Schriftenreihe des URANIA Kulturvereins Gotha e.V., in 2000 erschienen.

Landkarte:

[Gotha (6340) -] (Fröttstädt -) Waltershausen - Friedrichroda (- Georgenthal/Thüringen) [- Gräfenroda (6298)] (Waldsaumbahn / Friedrichrodaer Bahn)

Ausschnitt aus Kursbuchkarte von 1958

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