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Strecke 3600: Braunhäuser Tunnel

  Umgebung am Südportal des Braunhäuser Tunnels während des Abtragens (Foto: Ernst Irle)
  Umgebung am Südportal während des Abtragens
(Foto: Ernst Irle, Sommer 1962)
Geographie (Ein Klick ins Bild öffnet ein größeres Bild)

Der in zweigleisige Bauweise errichtete Tunnel befand sich im Landkreis Hersfeld-Rotenburg direkt westlich von Braunhausen bzw. nur etwas südlich von Asmushausen, beides nordöstliche Ortsteile von Bebra. Er wurde an der Nord-Süd-Strecke im Streckenabschnitt zwischen den Bahnhöfen von Bebra und Neu-Eichenberg erbaut. Der Standort befand sich direkt nordwestlich der kleinen, über die hiesige Eisenbahnstrecke führenden Straßenbrücke der vom südlichen Ortsausgang Braunhausens kommenden Nebenstraße »Am Sambach«.

Geschichte

Der Braunhäuser Tunnel wurde von 1873 bis 1875 errichtet; die Vorarbeiten begannen bereits 1872. Als die Nord-Süd-Strecke im Jahr 1961 von der Deutsche Bundesbahn elektrifiziert wurde, musste der Tunnel abgebrochen werden, weil seine Bauhöhe für die zu verlegenden Oberleitungen nicht ausreichte. Ab Frühjahr 1963 wurden die Dampflokomotive durch Elektrolokomotiven auf der Nord-Süd-Strecke ersetzt.

Beim Abtragen der natürlichen Tunnelüberdeckung und beim Abriss des Tunnels selbst wurden insgesamt rund 550.000 m³ Erd- und Gesteinsmaterial mittels großer Baufahrzeuge bewegt. Der Bahnverkehr lief während der Abtragungs- und Abrissarbeiten weiter, zu deren Ende nur noch eingleisig. Zum Schluss, als die Strecke völlig gesperrt war, wurde das etwa 1 Meter dicke Ziegelsteinmauerwerk gesprengt. Letztlich wurden die neu entstandenen Böschungen beiderseits der Strecke mit Bäumen und Büschen bepflanzt.

Heutzutage zeugen nur noch ein Portalfragment und ein aus Steinen des ehemaligen Südportals errichtetes Denkmal auf den Tunnel, es trägt die Inschrift »1873 - 1875 Braunhäuser Tunnel abgetragen 1962«, die auf die Bauzeit und das Abtragungsjahr verweist. Dieses befindet sich oben auf dem Berg, an der Straße von Asmushausen nach Braunhausen.
Quelle: Wikipedia, Braunhäuser Tunnel
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Das Auf und ab der Bahn

Umgebung am ehemaligen Südportal des Braunhäuser Tunnels vor dem Erdrutsch (Foto: Tafel an der Straße zwischen Asmushausen und Braunhausen)  
Umgebung am ehemaligen Südportal vor dem Erdrutsch
(Foto: Tafel an der Straße zwischen Asmushausen und Braunhausen, 1962)
 
Im Frühjahr 1962 hatten die Bauexperten der Deutschen Bundesbahn den technischen Ablauf der Tunnelaufschlitzung bei Braunhausen »mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit« vorprogrammiert, hatten alles im Terminplan befindliche bezeichnet und auch das letzte Sirenensignal hatten dementsprechend auch schon Lokführer errechnet, doch plötzlich »schlug der Berg zurück«, warf alle Termine über den Haufen.

Am 18. Mai 1962 gegen 4:10 Uhr begannen Steine die Böschung herabzurollen. Die Wachposten an der Großbaustelle eilten sofort zum Tunneleingang. »Da stellten wir fest, daß die Gleise vibrierten. Sofort gaben wir das Notsignal, das die Strecke blockierte«, berichteten Willi Scharf und Franz Segel. Dann rannte ein Posten zum Telefon und alarmierte die Dienststelle der Bundesbahn in Bebra. Das war höchste Zeit, denn um 4:06 Uhr war ein Güterzug vom Bahnhof Bebra aus in Richtung Braunhäuser Tunnel abgefahren. Gegen 4:15 Uhr aber begann die Erde derart stark zu rutschen, daß die Strecke unpassierbar wurde.Der Lokführer des Güterzuges aus Bebra hatte das Notsignal jedoch rechtzeitig bemerkt.

Als der Erdrutsch, bei dem sich rund 50.000 m³ Erd- und Gesteinsmassen auf die Gleise schoben, begann, wurde sofort die Strecke für den Fahrzeigverkehr gesperrt. »Es ist uns völlig rätselhaft, wie es zu diesem großen Erdrutsch kommen konnte. Der neue Bahndamm hatte eine Steigung von 45 Grad. Auch unser Geologe hatte das für ausreichend gehalten«, sagte der Vizepräsident der Bundesbahndirektion Kassel, Martin Zabel. An die Unglücksstelle eilte auch sofort Präsident Dr. Manfred Rabes.

Im Zuge der Streckensperrung wurden die Schnell- und Eilzüge über Eichenberg - Kassel - Bebra umgeleitet, diese hatten dadurch eine Verspätung von 45 Minuten. Die meisten Güterzüge mußten einen Umweg von bis zu 250 Kilometern in Kauf nehmen, Ihre Umleitung führte über die Rhein- bzw. Ruhr-Sieg-Strecke.

Das große Bauvorhaben der Bahn, das war damals allen sofort klar, mußte sich erheblich verteuern, und zwar, wie sich später herausstelle, um rund eine Million DM, so daß die gesamte Aufschlitzung des Berges auf etwa 5,5 Millionen kam.

  BR 41 am Südportal des Braunhäuser Tunnels während des Abtragens (Foto: Tafel an der Straße zwischen Asmushausen und Braunhausen)
  BR 41 am Südportal während des Abtragens
(Foto: Tafel an der Straße zwischen Asmushausen und Braunhausen, 1962)
Fachleute waren damals der Ansicht, daß die anhaltenden Regenfälle der vorausgegangenen Wochen mit zum Erdrutsch beigetragen haben. Man vermutete eine Übersättigung mit Feuchtigkeit im Erdinnern. Große Erd- und Gesteinsmengen hatten dann über schmierfilmähnliche Gleitflächen den Halt verloren.

Der rund vier Stunden andauernde Erdrutsch hatte sich auch über den eigentlichen Tunnelbereich hinaus fortgesetzt. Lange Risse im Boden konnten noch bis zu 100 Meter von der Baustelle entfernt festgestellt werden. Auch die Straße von Asmushausen nach Braunhausen mußte von der Polizei aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, weil die Erdmassen in dieser Richtung in Bewegung geraten waren und sich auch in der Fahrbahndecke bereits Risse zeigten.

Für den Eisenbahnbetrieb mußten für die Tage der völligen Streckensperrung nicht unbeträchtliche Probleme gelöst werden. So setzte man zwischen dem Bahnhof Cornberg und Eichenberg einen Zugpendelverkehr ein, um Reisende aus den Bereichen Sontra, Eschwege und Bad Sooden-Allendorf an die Schnellzüge in Eichenberg heranzuführen, auf der anderen Seite des Braunhäuser Tunnels gab es einen Zubringerverkehr mit Bussen. Lokführer, die bis dahin nur auf der Nord-Süd-Strecke fuhren und deshalb zwischen Kassel und Bebra nicht streckenkundig waren, erhielten in der nordhessischen Großstadt einen Lotsen als dritten Mann auf der Lok.

Auf der Großbaustelle bei Braunhausen aber ging es intensiv weiter. Anfang Oktober 1962 waren die letzten Reste beseitigt. Da die Böschungsneigung von 1 : 2 auf 1 : 4 verändert werden mußte, hatten die eingesetzten Firmen rund 350.000 m³ Erd- und Gesteinsmaterial mehr abzutransportieren. Auch war eine erneute Verlegung der bereits veränderten Landstraße 2. Ordnung zwischen Braunhausen und Asmushausen erforderlich.
Nicht zu umgehen war auch die Neuerwerbung von Grundstücken für die Lagerung von Abraummaterial.
Quelle: Tafel an der Straße zwischen Asmushausen und Braunhausen, notiert um 1985
 
Um 1985 fotografiert
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Einschnitt an Stelle des Braunhäuser Tunnels
Einschnitt, an Stelle des Tunnels, Blickrichtung von
Straßenbrücke »Am Sambach« nach Norden
  Portalkopf des Braunhäuser Tunnels
Portalkopf, oben auf dem Berg, an der Straße von
Asmushausen nach Braunhausen
 
Trennlinie
 
Fotografiert im Sommer 1962 von Carl Bellingrodt
(Ein Klick ins Bild öffnet ein größeres Bild)
 
  Fotografiert am 8. Juni 1962 von Dr. Rolf Brüning
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V 200 als Vorspann vor BR 01 auf dem Weg nach Bebra am teilweise schon abgetragenen Braunhäuser Tunnel mit aufwendiger Böschungssicherung (Foto: Carl Bellingrodt)s
V 200 als Vorspann vor BR 01 auf dem Weg nach Bebra
mit aufwendiger Böschungssicherung (siehe obigen Text)
  BR 44 vor der aufwendigen Böschungssicherung am abgetragenen Braunhäuser Tunnel (Foto: Dr. Rolf Brüning)
BR 44 vor der aufwendigen Böschungssicherung, das
Haus im Hintergrund steht an der Straße »Am Sambach«
 
Trennlinie
 
BR 41 verlässt die Schutzwand an der Baustelle des Braunhäuser Tunnels (Foto: Helmut Först, Sammlung Eisenbahnstiftung)   BR 41 verlässt die Schutzwand an der Baustelle des teilweise
schon abgetragenen Tunnels vor dem großen Erdrutsch,
fotografiert Anfang Mai 1962 von Helmut Först
Bild befindet sich in der Sammlung Eisenbahnstiftung
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