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Strecke 3906: Deiseler Tunnel

 
Text, Zeichnung und Foto von Volker Borchert, erstellt im November 2007

 
Strecke:
Strecken-Nummer:
Streckenlänge:
Streckeneröffnung:
Streckenstilllegungen:


Eröffnung des Radweges:
Stationen:
  [Kassel -] Hümme - Bad Karlshafen (linkes Weserufer)
3906
16.500 km (die Kilometrierung begann ursprünglich in Bad Karlshafen)
30.03.1848
25.09.1966 (Personenverkehr, Gesamtstrecke)
25.09.1966 / 01.06.1970 (Güterverkehr, Trendelburg - Bad Karlshafen)
27.09.1986 (Güterverkehr, Hümme - Trendelburg)
12.09.2014 (Ältester Eisenbahntunnel Hessens frei für Radler, HNA vom 13. September 2014)
Trendelburg - Wülmersen
 
Im Gegensatz zur Meinung einiger Autoren scheint "Volkes Munde" beim Deiseler-Tunnel richtig zu liegen: Der Tunnel war nicht notwendig und wurde wohl nur aus Eitelkeit des Landesherren erbaut.

Geht man von Deisel her den Weg östlich der Diemel entlang zum Südportal, so fallen schon etwa 100 Meter vor Erreichen des Südportals oberhalb im Wald einschnittartige Geländeformationen auf, teilweise mit anstehendem Fels. Unmittelbar vor dem Südportal (von Norden her gesehen) sind tonnenweise Felsplatten aufgeschichtet, um den Berghang in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Daran schließt sich die linke Flügelmauer des Tunnelportals an. Es sieht fast so aus, als sei die tunnellose Trasse schon ein Stück weit gebaut worden.

Leider war es nicht möglich, diesen Einschnitt aufzusuchen, da der Hang hier sehr steil zur Diemel hin abfällt. Auch ein Fotografieren vom Weg her war unergiebig, da die Vegetation hier sehr urwaldartig vor sich hin wuchert.

Sicher ist jedoch, daß es ein Leichtes gewesen wäre, die Trasse links am Südportal vorbei um rund 75 Meter weiter nach Norden zu führen, um dann nach Osten hin einzuschwenken. Selbst größere Erdarbeiten wären hierbei nicht notwendig geworden. Da der hier dann notwendige Radius von ungefähr 250 Metern an anderer Stelle der Strecke schon unterschritten wurde, dort beträgt der Mindestradius 200 Meter, wäre eine Realisierung dieser Streckenführung problemlos möglich gewesen. Das Argument, der Tunnel sei notwendig gewesen, um die hochwassergefährdete Diemelaue zu meiden, trifft meines Erachtens nicht zu, da die Trasse schon vor dem Tunnel gut 7 Meter über der Diemel angelegt ist.
 
Tunneleinfahrt:
Tunnelausfahrt:
Länge:
Radius im Tunnel:
Steigung:
Geografische Höhe:
Maximale Gebirgsüberdeckung:
Anstehendes Hauptgestein:
Breite auf SO (ca.)
Höhe auf SO (ca.)
Mittlere Schwellenabstand:
Nischenanzahl:
Nischenhöhe:
Nischenbreite:
Nischentiefe:
Entwässerungskanal:
Stampfbeton Baubeginn:
Beginn des Gewölbeausbaus:
Fertigstellung:
Besuchstag:
  km 007.600 / 350 Grad rw
km 007.800 / 025 Grad rw
202 Meter
330 Meter (Rechtsbogen)
nicht feststellbar
120 Meter (ca.), Diemeltal rund 112 Meter
etwa 20 Meter
Sandstein, waagerechte Lagerung
4,60 Meter
6,05 Meter
Gleise sind komplett entfernt worden
9 Stück
1,80 bis 2,30 Meter
1,00 bis 1,20 Meter
0,60 bis 0,80 Meter
auf rechter Seite, (ursprünglich) völlig abgedeckt, aus Stampfbeton
23.04.1846
August 1846
01.06.1847
10.11.2007, vormittags
 
Trennlinie
 
Der Tunnel führt in einem Rechtsbogen von ca. Nord nach ca. Nordost.

Die Tunnelportale sind in Mischbauweise (Ziegel- und Naturstein) ausgeführt. Die Stützmauern an der Einfahrt (Südportal) sind in Naturstein, die der Ausfahrt (Nordportal) in Ziegelstein ausgeführt. Die Tunnelwandungen (senkrechte) sind mit Naturstein verblendet (kleine Stellen mit anstehendem Fels), das Gewölbe ist in Ziegelstein ausgeführt. Das Tunnelinnere ist vollkommen trocken.
Lageplan des Deiseler Tunnels (Zeichnung: Volker Borchert) 
Tunneleinfahrt (Südportal) in km 007.600

+ ca. 10.00 Meter: 1. Nische (links)
vollständig aus Ziegelstein gemauert, einschließlich Seiten und Rückwand, Flachgewölbe / im Nischenboden abgedeckter Abwasserschacht / Nischenmaße: Höhe ca. 1,90 Meter, Breite ca. 1,10 Meter, Tiefe ca. 0,70 Meter

+ ca. 15.00 Meter: Gedenktafel des Erbauers (links)

+ ca. 50.00 Meter: 2. Nische (links)
überwiegend aus Ziegelstein gemauert, Rückwand aus Naturstein, unten anstehender Fels, Rundgewölbe / Nischenboden ohne Abwasserschacht / Nischenmaße: Höhe ca. 2,00 Meter, Breite ca. 1,10 Meter, Tiefe ca. 0,70 Meter

+ ca. 16.50 Meter: 3. Nische (links)
unten aus Naturstein gemauert, oben aus Ziegelstein, Rückwand anstehender Fels, Rundgewölbe / Nischenboden ohne Abwasserschacht / Nischenmaße: Höhe ca. 2,30 Meter, Breite ca. 1,10 Meter, Tiefe ca. 0,70 Meter

+ ca. 16.50 Meter: 4. Nische (links)
unten aus Naturstein gemauert, oben aus Ziegelstein, Rückwand anstehender Fels, Rundgewölbe / Nischenboden ohne Abwasserschacht / Nischenmaße: Höhe ca. 2,30 Meter, Breite ca. 1,10 Meter, Tiefe ca. 0,70 Meter

+ ca. 16.50 Meter: 5. Nische (links)
unten aus Naturstein gemauert, oben aus Ziegelstein, Rückwand aus Ziegelstein, Flachgewölbe / im Nischenboden abgedeckter Abwasserschacht / Nischenmaße: Höhe ca. 1,90 Meter, Breite ca. 1,10 Meter, Tiefe ca. 0,70 Meter

+ ca. 16.50 Meter: 6. Nische (links)
vollständig aus Ziegelstein gemauert, einschließlich Seiten und Rückwand, Flachgewölbe / im Nischenboden abgedeckter Abwasserschacht / Nischenmaße: Höhe ca. 1,90 Meter, Breite ca. 1,10 Meter, Tiefe ca. 0,70 Meter

+ ca. 16.50 Meter: 7. Nische (links)
vollständig aus Ziegelstein gemauert, einschließlich Seiten und Rückwand, Flachgewölbe / im Nischenboden abgedeckter Abwasserschacht / Nischenmaße: Höhe ca. 1,90 Meter, Breite ca. 1,10 Meter, Tiefe ca. 0,70 Meter

+ ca. 16.50 Meter: 8. Nische (links)
vollständig aus Ziegelstein gemauert, einschließlich Seiten und Rückwand, Flachgewölbe / im Nischenboden abgedeckter Abwasserschacht / Nischenmaße: Höhe ca. 1,90 Meter, Breite ca. 1,10 Meter, Tiefe ca. 0,70 Meter

+ ca. 16.50 Meter: 9. Nische (links)
vollständig aus Ziegelstein gemauert, einschließlich Seiten und Rückwand, Flachgewölbe / im Nischenboden abgedeckter Abwasserschacht / Nischenmaße: Höhe ca. 1,90 Meter, Breite ca. 1,10 Meter, Tiefe ca. 0,70 Meter

+ ca. 10.00 Meter:
Tunnelausfahrt (Nordostportal) in km 007.800
 
Trennlinie
 
Gedenktafel des Erbauers im Deiseler Tunnel (Textanalyse: Volker Borchert)
 
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Text der Informationstafel am Nordostportal:

Die heutige Sole-Badestadt Bad Karlshafen spielte nicht nur im Zusammenhang mit der Hugenottenansiedlung und dem Projekt des Landgraf-Carl-Kanals eine rühmliche Rolle: Am 30. März 1848 rollte der erste Eisenbahnzug Hessens, die "Friedrich-Wilhelms-Nordbahn" von Karlshafen nach Hümme und später nach Kassel. Landgraf Friedrich-Wilhelm von Hessen-Kassel war es gelungen, wovon Landgraf Carl mehr als 100 Jahre vorher nur hatte träumen können.

Sein Berater Oberst Münnich hielt bereits 1713 eine Schiffahrtsverbindung von Karlshafen unmittelbar nach Kassel unter Umgehung von Münden mit seinen Stapelrechten und hohen Zöllen letzlich aus Kostengründen für illusorisch.

Von 1848 bis 1854 war Karlshafen bevorzugter Bahnhof für die Auswanderer nach Amerika auf der Fahrt nach Bremen. 1854 wurde die Stellung wieder von Münden eingenommen, das über Dransfeld Anschluß an die Nord-Süd-Bahn fand. 1878 bekam Karlshafen durch die Bahnstrecke am rechten Weserufer eine weitere Bahnverbindung, allerdings ohne Hafenumschlag.

Zur "Schlagd" am linken, stadtseitigen Ufer der Weser bestand Gleisanschluß für den Güterumschlag (Carlsbahn).

Der Betrieb der "Friedrich-Wilhelms-Nordbahn" auf der linken Weserseite wurde 1966 eingestellt - die Trasse bis Hümme wird inzwischen als beliebter Wander- und Fahrradweg genutzt, auch dieser erste Eco-Pfad Diemel führt weitgehend über diese Strecke.

Heute künden noch Tunnelein- und -ausgänge von der damaligen Zeit, vom Pioniergeist vergangener Tage. Oberhalb des Tafelstandortes befindet sich ein zur Zeit gesperrter Eisenbahntunnel.
 
Fahrplan der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn von 1850 (Foto: Volker Borchert)
Fahrplan der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn, abgebildet auf der Informationstafel
 
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